Die Demonstration beginnt um 13:00 am Gedenkort Hannoverschen Bahnhof, welcher sich im Lohsepark in der Hafencity befindet. Zur Anreise empfehlen wir die ÖPNV-Haltestelle „HafenCity Universität“ auf der Linie U4.

Zwischen 1940 und 1945 diente der Bahnhof als zentrale Deportationsstelle von Jüd*innen und Juden, Sinti und Roma. Zur Erinnerung plant die Stadt den Bau eines Dokumentationszentrums. Die Umsetzung wurde dabei einem Investor anvertraut. Dieser vermietete die acht Stockwerke über den Ausstellungsräumen an die Firma Wintershall DEA, welche an Arisierung, Zwangsarbeit und Krieg Millionen verdient hatte. Erst nach massiven Protesten der Opferorganisationen wurde ein Neubau für das Dokumentationszentrum vereinbart. Zu Beginn der Demonstration wird es hier die Gelegenheit geben, Blumen niederzulegen und inhaltliche Beiträge zur historischen Bedeutung des Hannoverschen Bahnhofs geben.

Gleise am ehemaligen Bahnsteig des Hannoverschen Bahnhofs. Foto: CC BY-SA 4.0

Im Anschluss werden wir mit der Demonstration durch das Kontorhausviertel ziehen. Dort gab es während der NS-Zeit mehrere Zwangsarbeitslager Italienischer Militärinternierter. Als italienische Militärinternierte bezeichneten die Nationalsozialisten italienische Soldaten, die die Wehrmacht nach dem Sturz der faschistischen Mussolini-Regierung im Sommer 1943 und dem Waffenstillstand Italiens mit den Alliierten gefangen genommen hatte. Sie wurden vor die Wahl gestellt, den Kampf auf deutscher Seite fortzusetzen oder in Gefangenschaft zu gehen. 600.000 italienische Soldaten, die sich geweigert hatten, wurden nach Deutschland deportiert und zur Zwangsarbeit eingesetzt. Zehntausende kamen in Folge KZ-ähnlicher Haft- und Arbeitsbedingungen ums Leben. Über 12.500 italienische Militärinternierte kamen nach Hamburg. Am 12. Und 13. Februar 2021 wurden in Erinnerung an diese Menschen Stolpersteine im Kontorhausviertel verlegt.

Italienische Militärinternierte bei ihrer Registrierung im Stalag X B Sandbostel. Foto: Vittorio Vialli 1944. Istituto Storico Parri Emilia-Romagna, Italien/Familienbesitz Vialli.

Einen spannenden Podcast zu den italienischen Militärinternierten findet ihr hier (Episode 2).

Weiter wird es mit unserer Demonstration zum Stadthaus gehen. Mitten in Hamburgs Innenstadt befand sich von 1933 bis 1943 der Sitz des Gestapo-Hauptquartiers, der Ordnungspolizei, der Kriminal- und Sicherheitspolizei und weiterer Polizeidienststellen des „Dritten Reiches“. Das Stadthaus war Zentrum des Nazi-Terrors in Hamburg sowie weiten Teilen Norddeutschlands. Hier wurden die Deportationen der Hamburger Jüd*innen und Juden, Sinti und Roma geplant und vorbereitet. Hier wurden Menschen im Widerstand verfolgt und gefoltert. Hier hatten Verfolgung, Folter und Mord ihren Ausgangspunkt. 2009 wurde das Haus an einen Investor verkauft, der den Gebäudekomplex in eine Shoppingmeile verwandelte. Nachdem das Konzept einer Gedenkecke in einer Buchhandlung mit angeschlossenem Café nun gescheitert ist, erwarten wir die Einbeziehung der Verfolgtenorganisationen in die weitere Planung. Dazu gehört in jedem Fall die Darstellung und Würdigung des antifaschistischen Widerstands.

Schon seit Jahrzehnten kämpften ehemals Inhaftierte um ein würdiges Gedenken am ehemaligen Zentrum des Naziterrors an der Stadthausbrücke – hier am 8. Mai 1984.

Ein Video von der VVN-BdA Hamburg, welches im Rahmen der Online-Kampagne zum 75. Jahrestag der Befreiung gemacht wurde, könnt ihr hier sehen.

Enden wird unsere Demonstration dann auf dem Hamburger Rathausmarkt, wo wir den Verfolgten und Ermordeten Hamburger Bürgerschaftsabgeordneten gedenken wollen sowie unsere Forderung an die Hamburger Politik lautstark zum Ausdruck bringen wollen: Der 8. Mai muss Feiertag werden! Und Gedenkorte gehören in die öffentliche Hand! Keine Privatisierung von Gedenken!