8. Mai 1945 – Tag der Befreiung!

„Der 8. Mai muss ein Feiertag werden! Ein Tag, an dem die Befreiung der Menschheit vom NS-Regime gefeiert werden kann. Das ist überfällig seit sieben Jahrzehnten. Und hilft vielleicht, endlich zu begreifen, dass der 8. Mai 1945 der Tag der Befreiung war, der Niederschlagung des NS-Regimes. Wie viele andere aus den Konzentrationslagern wurde auch ich auf den Todesmarsch getrieben. Erst Anfang Mai wurden wir von amerikanischen und russischen Soldaten befreit. Der 8. Mai wäre dann eine Gelegenheit, über die großen Hoffnungen der Menschheit nachzudenken. Über Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – und Schwesterlichkeit.” (Esther Bejarano, Überlebende der KZ Auschwitz und Ravensbrück)

Vor dem 8. Mai 1945 hatten mehr als 60 Millionen Menschen die Nazi-Ideologie mit ihrer Vorstellung von „Volksgemeinschaft“ und dem Konzept vom „Lebensraum im Osten“ mit dem Leben bezahlt. Noch kurz vor Kriegsende wurden in Hamburg 71 Frauen und Männer des antifaschistischen Widerstandes im Konzentrationslager Neuengamme ermordet, die SS schickte tausende KZ-Häftlinge auf Todesmärsche. Um die Spuren ihrer Verbrechen zu beseitigen, vernichteten Hamburger Behörden, Polizei und Gestapo in umfangreicher Weise Dokumente. 20 jüdische Kinder und ihre Betreuer sowie 24 sowjetische Kriegsgefangene wurden in der Schule am Bullenhuser Damm von der SS getötet.

Am 8. Mai 1945 hatte das Morden ein Ende: Für unseren Freund Peter Gingold, Jude, Kommunist und Résistance-Kämpfer, war dieser Tag „Die Morgenröte der Menschheit“. Dieser Sieg, die Niederschlagung des deutschen Angriffskriegs, war nur durch den gemeinsamen Kampf der Alliierten möglich. Die schwerste Last des Krieges mit Millionen Toten trug die Sowjetunion. Hierzulande leistete nur eine geschwächte Minderheit Widerstand gegen den Faschismus, um das NS-Regime und den NS-Terror zu verhindern bzw. zu beenden. Das vergessen wir nie.

Für die Mehrheit der Deutschen blieb der 8. Mai 1945 ein Tag des „Zusammenbruchs“ und der „Niederlage“. Die Täter*innen kamen weitgehend ungeschoren davon, die überlebenden Opfer mussten bitter um Entschädigung kämpfen.

Die Nazis waren nie weg. Sie hatten nur die Uniformen und Parteiabzeichen abgelegt. Manche saßen in Regierungen, in Parlamenten, sie „funktionierten“, hatten ja „Erfahrung“. Auch die Profiteure der Verbrechen und der Enteignungen jüdischen Eigentums hatten an der Aufdeckung kein Interesse.

Erst vor 30 Jahren führte wachsendes Interesse der nachkommenden Generationen dazu, dass Richard von Weizsäcker, damals Bundespräsident, den 8. Mai öffentlich als Tag der Befreiung bezeichnete. Das war längst überfällig, die bis dahin verdrängten Perspektiven der ehemals Verfolgten und Widerstandskämpfer*innen wurden aufgenommen. In vielen befreiten Ländern Europas ist der 8. Mai seit langem ein Feiertag, im Land der Täter*innen jedoch immer noch nicht. Wir sagen: Der 8. Mai muss ein Feiertag werden! Ein Tag, an dem die Befreiung der Menschheit vom NS-Regime gefeiert werden kann, ein Tag der Besinnung, ein Tag der Ermutigung, Nazis keinen Platz in unserer Gesellschaft zu geben.

Wir unterstützen die Forderung der VVN-BdA: Der 8. Mai muss Feiertag werden, damit wir der Opfer des Faschismus in Deutschland gedenken. Der 8. Mai muss Feiertag werden, damit wir eine Erinnerungskultur schaffen können, die aufzeigt, dass rassistische und antisemitische Gewalt seit dem Ende des faschistischen Regimes eine Folge der verpassten Entnazifizierung ist. Der 8. Mai muss Feiertag werden, damit wir uns vor Augen führen, wie wichtig Antifaschismus ist. Es muss diesen Feiertag geben, damit wir dem grassierenden Antisemitismus und den verschiedenen Formen von Rassismus weiterhin bestimmt entgegentreten können.

Heute reicht es nicht, nicht rechts zu sein. Nötig ist, offensiv gegen rechts zu kämpfen. Unser Entsetzen und unsere Trauer über rechten Terror wie in Kassel, in Halle und in Hanau werden zu Wut und Zorn. Wir müssen alle aufstehen, wenn eine*r von uns angegriffen wird. Wir müssen lauter werden. Das geht nur gemeinsam:

Für eine solidarische Gesellschaft! Alle zusammen gegen den Faschismus!

Im Gedenken an die Gequälten und Ermordeten fordern wir:

Antifaschismus ist Grundlage unserer Gesellschaft!

Antifaschismus ist gemeinnützig!

Kein Relativieren der Verbrechen des Nazi-Regimes.

Eine Gesellschaft ohne Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus und Ausgrenzung!

Solidarische Hilfe für Geflüchtete ist gemeinsame Aufgabe!

Menschenrechte sind unteilbar!

Stopp der Ausbeutung der Menschen und unseres Planeten!

Verbot des Waffenexports!

Rechten Terror gemeinsam bekämpfen! Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg

Konsequente und Transparente Verfolgung aller rechten, rassistischen und antisemitischen Strukturen und Personen bei der Bundeswehr, Polizei und Justiz!

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